Erich-Mühsam-Gesellschaft e.V.
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  Das literarische Werk




Ab 1898 zahlreiche Aufsätze und Gedichte. vorwiegend in linken Zeitschriften. Autonomieanspruch und Sendungsbewußtsein verbanden sich mit vielfältigen Begabungen (auch als Dramatiker, Kritiker, Redner, Kabarettist und Zeichner). Während seine frühe Lyrik Einsamkeit und Weltekel in krassen, wenngleich konventionellen Bildern artikulierte, trat er in satirischen "Tendenzgedichten" (u. a. in "Der Wahre Jacob" 1904/06) als scharfer Kritiker des Wilhelminismus und als "Tatpropagandist" hervor. In Krater (1909) und Wüste - Krater - Wolken (1914) näherten sich lyrisches und politisches Bekenntnis einander an.







Vor allem von Naturalismus und Nachnaturalismus beeinflußt (Arno Holz, Hermann Conradi, Frank Wedekind, Richard Dehmel), stand M. dem Expressionismus fern. Er blieb einer zweckhaften Poetik verbunden, die in Dichtung eher Mittel als Gegenstand geformten Ausdrucks sah. Bildhafte Drastik, Witz und polemische Treffsicherheit verbanden sich mit populären Sujets und liedhaften Formen zu einem unverwechselbaren Stil. Es gelang ihm jedoch selten, die Aufspaltung seines Talents in "private" Lyrik, in Kampfdichtung und tagespolitische Satire zu überwinden wie z. B. mit Der Revoluzzer (1907).







Herausgeber und Alleinautor der Monatsschrift "Kain. Zeitschrift für Menschlichkeit" (1911/14 u. 1918/19, Neudruck 1978), in der er zur Verbrüderung der künstlerischen Intelligenz mit dem Subproletariat aufrief und der Bohemekultur einen politisch oppositionellen Inhalt geben wollte. Während des 1. Weltkriegs ohne Publikationsmöglichkeiten, wurden seine Tagebücher (1910/24, Auswahl 1994) zum wichtigsten Medium der Zeitkritik. M.s Gedichte während des Krieges (Brennende Erde. Verse eines Kämpfers, 1920) wenden sich von der verzweifelten Anklage zur Propagierung der bewaffneten Aktion gegen den Krieg (Soldatenlied, entstanden 1916). Die Kampflieder greifen auf den Gestus der Vormärzdichtung zurück und fassen das Wirken von Geschichtskräften in eine naturhafte Symbolik. Mündlich und auf Flugblättern verbreitet, trugen sie bedeutend zu Kriegsgegnerschaft und Proteststimmung unter Arbeitern und Soldaten bei. Judas. Ein Arbeiterdrama (1921) gestaltet einen revolutionären Massenstreik, in dessen Verlauf der Protagonist, statt sich auf die Massen zu stützen, zur Intrige greift und wider Willen zum Verräter wird. Das Romanfragment Ein Mann des Volkes (entstanden 1921/23, in: Streitschriften/Literarischer Nachlaß, 1984) verbindet mit der satirischen Entlarvung eines Karrieresozialisten die an alle Linkskräfte gerichtete Warnung vor Korruption, Machtmißbrauch und organisatorischer Erstarrung. M.s literarische und politische Aktivitäten nach 1918 waren dem Ziel gewidmet, die zersplitterten Linkskräfte von der Bindung an Parteien und Gewerkschaften zu lösen und zur Revolution zu bewegen.







Sein lyrisches Schaffen beschränkte sich auf satirische und Kampfdichtung, die z. T. in den nachrevolutionären Unruhen große Verbreitung fand (z. B. Max-Hoelz-Marsch, entstanden 1920, in: Revolution. Kampf-, Marsch- und Spottlieder, 1925). Doch machte sich zunehmend Enttäuschung über das Ausbleiben der Revolution in einem Gestus der Beschwörung und der Schelte bemerkbar (z. B. Mahnung der Gefallenen in: Alarm. Manifeste aus 20 Jahren, 1925). Die Broschüre Gerechtigkeit für Max Hoelz! (1926) war ein leidenschaftliches und faktenreiches Plädoyer für den politischen Gefangenen Hoelz. Die Monatsschrift "Fanal" (1926/31, Neudruck 1973) spiegelte mit überwiegend eigenen Beiträgen die zunehmende Verhärtung seines anarchistischen Revolutionskonzepts und eine entsprechende politische Isolierung wider, die auch seinen meisterhaften Analysen des Verfalls der Weimarer Demokratie die Breitenwirkung entzog. Unpolitische Erinnerungen (in: "Vossische Zeitung", 1927/29, unter dem Titel Namen und Menschen, 1949) bieten einen memoirenhaften und atmosphärisch dichten Rückblick auf die Bohemekultur nach der Jahrhundertwende. Das Dokumentarstück Staatsräson. Ein Denkmal für Sacco und Vanzetti (1928), verfaßt für die Piscator-Bühne, versuchte mit beträchtlichem Erfolg, die Empörung über die US-amerikanischen Justizmorde gegen die Weimarer Justiz zu mobilisieren. M.s letzte Kampfschrift Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat (in: "Die Internationale", Berlin 1932, H. 6-8) entwirft ein anarchistisches Weltbild und Gesellschaftsmodell, bleibt aber weitgehend den Aporien des "Gefühlsanarchismus" verhaftet. Der schriftliche Nachlaß M.s (Werkmanuskripte, Tagebücher, Briefe) gelangte 1936 auf Betreiben des NKWD nach Moskau und wurde (unvollständig) im Maxim-Gorki-Institut Moskau archiviert. Die
Akademie der Künste der DDR erhielt 1956 Mikrofilmkopien des verbliebenen Archivguts.

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Weitere Werke:

Die Homosexualität (Abhandlung, 1903), Die Wüste (Gedichte, 1904), Ascona (Abhandlung, 1905), Die Hochstapler (Drama, 1906), Die Jagd auf Harden (Abhandlung, 1908), Die Freivermählten (Drama, 1914), Die Einigung des revolutionären Proletariats im Bolschewismus (Abhandlung in: "Die Aktion", 1921/22), Das Standrecht in Bayern (Abhandlung, 1923), Sammlung 1898-1928 (Gedichte und Prosa, 1928).
Ausgaben: Choix de poésies, hg. von T. Rémy (frz.), Lyon 1924; Gedichte. Eine Auswahl, hg. von F. A. Hünich, Berlin 1958; Eine Auswahl aus seinen Werken, hg. von N. Pawlowa, Moskau 1960: Auswahl. Gedichte, Drama, Prosa, hg. von D. Schiller, Berlin 1961; Ausgewählte Werke, hg. von Ch. Hirte unter Mitarbeit von R. Links und D. Schiller, 2 Bde., Berlin 1978 (P); Gesamtausgabe, hg. von G. Emig, 5 Bde., Berlin 1978ff.; Handzeichnungen und Gedichte, hg. von L. Hirsch, Leipzig 1984; In meiner Posaune muß ein Sandkorn sein. Briefe 1900-1934, hg. von G. W. Jungblut, 2 Bde., Vaduz 1984 (P). Tagebücher 1910-1924, hg. von Ch. Hirte.
Über Erich Mühsam

Literaturauswahl:
Kreszentia Mühsam: Der Leidensweg Erich Mühsams, Zürich/Paris 1935, Neudruck 1994; Nina Pavlova: Tvorcestvo Ericha Mjusama, Moskva 1965; Heinz Hug: Erich Mühsam. Untersuchungen zu Leben und Werk, Glashütten 1974 (P); Färbt ein weißes Blütenblatt sich rot... Erich Mühsam. Ein Leben in Zeugnissen und Selbstzeugnissen, hg. von Wolfgang Teichmann, Berlin 1978; Wolfgang Haug: Erich Mühsam. Schriftsteller der Revolution, Reutlingen 1979, erw. 1984; Rolf Kauffeldt: Erich Mühsam. Literatur und Anarchie, München 1983; Chris Hirte: Erich Mühsam. Ihr seht mich nicht feige (Biographie), Berlin 1985 (P); Schriften der Erich-Mühsam-Gesellschaft, Lübeck 1989ff.
Bibliographien

Heinz Hug und Gerd W. Jungblut: Erich Mühsam. Bibliographie, Vaduz 1991; Hubert van den Berg, Erich Mühsam. Bibliographie der Literatur zu seinem Leben und Werk, Leiden 1992.
Porträts Auswahl

Aquarell von Johannsen, Porträtzeichnung von Rumler-Siuchninski, Sammlung von Foto-Porträts, in: Stiftung Archiv der Akademie der Künste, Berlin, Nachlaß Erich Mühsam.
Aquarell von Siegfried Elfinger, ca. 1956, in: Bildarchiv Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berlin.
Bleistiftzeichnung von Benedikt Fred Dolbin, 1928, in: Deutsches Literaturarchiv Marbach, Bildabteilung.
August Sander, 2 Fotos von 1928, in: August Sander Archiv, Köln.
Radierung von Horst Janssen, 1989, sowie diverse Foto-Porträts in: Archiv der Erich-Mühsam-Gesellschaft, Lübeck.
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